Friday, April 12, 2013

Hagelkörner Auf Einer Fensterscheibe

Als ich des nächtens
in einer unbelebten Strasse
an einem Lieferwagen vorbei,
dessen offene Ladefläche
zuhauf Pflastersteine feilbot,
war die Versuchung groß.

Die alten Zeiten traten
aus der Kruschtkiste
der Erinnerung hervor;
als Pflastersteine wie diese
im rhythmischen Stakkato
auf die Schutzschilde
des staatlichen Ordnungsdienstes prallten,

gleich Hagelkörnern auf einer Fensterscheibe ..

.. es juckte mich in den Fingern.

Doch weit und breit
kein gepanzerter Cop in Sicht.

So beliess ich es
in Gedanken
in vergangenen Tagen harrend
und zog von dannen.

(Anarcho-Poetik 2013)

Thursday, April 11, 2013

Geborstene Wahrnehmung

Fragmente.

Blutendes Selbst.

Existentielle Verstörung
auf den Ebenen
zerrbildhaft Vergang‘nem,
unvernomm‘ner Zukunft.

Zersplitterte Sensorik,
wild
die tief getroff‘ne Psyche attackierend.

Blutende Fragmente.

Fetzen kryptischer Natur,
die keinen Sinn ergeben,
sich nicht deuten lassen,
Offenbarungslosigkeit.

Risse, die nur mühsam neu zusammenwachsen,
zum Hintergrund zermürbender Zerstörtheit
einen Schemen formen.
Gerinnen.

Bleibende Narben.

Saturday, February 2, 2013

PTSD

Fragt nicht, was ich gesehen habe.

Fragt, was ich gehört habe.
Fragt, was ich eingeatmet habe.
Fragt, was ich auf meiner Haut gespürt habe.

Aber fragt bitte nicht, was ich gesehen habe.

Abrupte Bewegungsabläufe.
Stetes Scannen der Umgebung.

Fragt nach dem Geschmack auf meiner Zunge.
Fragt nach dem Geruch von Verbranntem.
Fragt nach den dumpfen unregelmäßigen Einschlägen.

Doch fragt bitte nicht, was ich zu sehen bekommen habe.
Nein, fragt einfach nicht.

Schaut euch statt dessen die hochgeladenen Videos an.
Oder fahrt einfach selber hin, macht euch euer eigenes Bild.


Tuesday, January 1, 2013

Von Hatay Nach Hama

Rauchverhangene Häuserketten, gekrönt von Wassertanks.
Tiefstehende Wintersonne über dunkelgrünen Bergketten,
Kommunikationsfetzen, die durch die Bauten hallen.
Eng verwinkelte Gassen, Labyrinthgängen gleich.

.. der Blick folgt dem strömenden Gewässer,
das die Stadt in zwei Hälften teilt, ..

Gelebte Gegenwart, frei von allzu fernen Zukunftsängsten.
Sein im Sinne, Tage zu pflücken reifen Früchten gleich,
Beobachtungsgabe gepaart mit kontemplativer Geduld.
Mit sanfter Hand am Stellrad der Zeiten drehend.

.. die Gedanken kreisen um jenen Ort südöstlich,
durch den der Orontes fliesst, ..

Fern von Fremdbestimmung ureigener Intuition folgend.
Begegnungen als fliessende Momente zu erkennen,
Miteinander verbunden als Rhythmus eines Lebensweges.
Freiheit inmitten manifestierter Prädestination.

.. mit seinen hölzernen Wasserrädern zuhauf,
Zeitzeugen entmenschlichter Ereignisse, ..

In Würde der Historie dieses besond'ren Ortes gedenken.
Vergangenheit, abgerufen in Augenblicken der Reflektion,
nicht in inn'ren musealen Gewölben aufbewahrt.
Unbelastendes Erbe einstiger Generationen fürwahr.

.. damals wie heute.