Friday, December 28, 2012

Der Geist von Antioch

'Ich habe viele Menschen ohne Kleidung herumlaufen sehen,
Doch leider auch viele Kleider ohne menschliches Leben drin.'

Was wörtlich übersetzt einer türkischen Volksweise entnommen,
Findet leider seit Menschengedenken seine traurige Gültigkeit.

Und dennoch lässt sich stolz erhobenen Geistes sagen,
Nicht immer findet sich darin des Lebens bitt're Bestätigung.

Wer Sprünge wagt, wo Brücken bisher noch nicht gebaut,
Wer Leben just als eben solches zu erkennen in der Lage,

Dem sei es gegeben, Fäden dort zu spinnen,
Wo and're ausser dunkler Leere nichts empfinden mögen.

Wem Mut, Verlust in Kauf zu nehmen, zuhauf gar mitgegeben,
Wer Hüllen klaren Blickes zu durchschau'n imstande ist,

Dem sei das Schicksal hold im Augenblick des grossen Schritt's
Der ungeschrieb'nen Zukunft aufrecht ohne Angst entgegen.

'Ich habe viele Menschen ohne Kleidung herumlaufen sehen,
Doch leider auch viele Kleider ohne menschliches Leben drin.'

So lasst uns die bekleiden, deren blosse Haut nach Wärme zehrt,
Und denen Leben einhauchen, die nur aus Äusserlichkeit besteh'n.

Sunday, December 23, 2012

Gazıantep Mon Amour

Leuchtende Augen, voller Neugier, mitten im pulsierenden Getuemmel.
Fern von Missgunst, Feindschaft gar, Waerme transportierend.

Einheit verschiedener Naturen, symbiotisch interagierend.
Sprachbarrieren durch die Kunst der Gestik ausser Kraft gesetzt.

Ein grosses Herz, das im Takt natürlicher Gemeinsamkeit schlaegt.
Herkunftsstolz ohne den Nachgeschmack von Überlegenheit.

Anteil nehmen, Essenz naturgegebener Menschlichkeit.
Helfende Haende, ausgestreckt ohne Hintergedanken.

Wo immer auch mein Weg mich fuehren mag,
Ein Teil meiner Seele auf ewig an diesem Ort verweilt,
Wartend, eines nicht allzu fernen Tages,
Und sei es nur für einen Wimpernschlag der Zeit,
Vereint zu werden ..


Friday, December 21, 2012

Selbstgespraeche Der Schwebenden Seele

Ein Fetzen blauen Himmels, ergattert unter bleischwerem Grau,
Ein Funke Hoffnung an einem Firmament der Ungewissheit,
Tage zwischen Gewesen sein und Werden.

Ob die Wolken meine Traenen zu Dir tragen werden?

Mauern, die es einzureissen, Ballast, den es abzuwerfen gilt,
Licht ins Dunkel einer ungeschriebenen Erfahrung
Mit der Kraft gereinigten Herzens zu tragen

Imstande sein .. Zweifel zu ueberwinden.

Zu spueren, dass hinter einem Vorhang verordneten Schweigens
Unerbittliche Klarheit herrscht, verborgen vor den Augen
Einer im Trueben gelassenen Welt.

Kalkulierte Ignoranz, hinter deren Fassade
Schmerz erzeugendes Mitgefuehl lauert.

Einsamer Kampf gegen das Vergessen
Und Verdraengen einer bitteren Realitaet.

Ob die Wolken jemals meine Traenen zu Dir tragen werden?

Thursday, December 13, 2012

In Between

Lichtweisses Gleissen auf Schneekristalldecken
Unter tiefblauem Winterfirmament.

Emsig umherlaufende Konsumentenströme
Mit Kunstlichtbotschaften konfrontiert.

Sanft gurgelndes Plätschern halbvereister Bäche
Inmitten zur Ruhe gebrachter Natur.

Einkaufstüten schwenkendes Jagdgebaren,
Den drohenden Ladenschluss vor Augen.

Irgendwo dazwischen.

Im Zusammenspiel von Stille und Hektik.

Was mag davon in Erinnerung bleiben?

Tiefschwarzer Sternenhimmel, der Atem gefriert,
Eins mit seiner Stadt, mit der Ruhe der Nacht.

Eingezwängt in dicht gedrängten Nahverkehrsabteilen
Über heimische Gemütlichkeit sinnieren.

Illuminiertes Arrangement, Silouette der Stadt,
Von Menschenhand zum Blühen gebracht.

Teilnahmslose Blicke durch das Tramfenster,
Stöpsel im Ohr, wie alle anderen auch.

Irgendwo dazwischen.

Was würde ich mehr vermissen?

Ganz so einfach, wie es aussehen mag, ist es nicht.

Saturday, December 8, 2012

Bedenkenträgertum

Behaltet sie für euch.

Ladet sie mir nicht auf, als wären sie die meinen.

Kaum habe ich mein eigenes Bündel
Vor mir ausgebreitet und entleert,
Steht ihr schon vor der Tür,
Um eure Wenns und Abers
Bei mir abzuladen; voller Sehnsucht
Starrt ihr mich an, erwartungsfroh
Für euren Ballast, den ihr abgeworfen,
Auch noch Dankbarkeit zu erheischen ..

Behaltet sie für euch.

Denn es bleiben die Euren.

Auch wenn ihr tief in eurem Herzen
Es nur gut meint, so bleibt es doch
Die Projektion eurer ureigenen
Bedenken; so ihr sie denn zeigt,
Indem ihr den wuchtigen Brocken
Eures Abers imstande seit, zu halten
Und nicht in meinem Gepäckraum
Mit Gewalt zu verstauen sucht:

Bin ich bereit, sie unvoreingenommen

Zur Kenntnis zu nehmen ..

Tuesday, December 4, 2012

Virtuelle Verzweiflung

Was kann ich noch tun?

Ich kenne ja nicht einmal Deinen richtigen Namen.

Ich weiss nicht einmal, wie Du aussiehst.

Würde ich Dich erkennen, wenn Du mir gegenüber stehst?

Oft haben wir uns im Chatroom getroffen, Deine Ausdrucksweise ist mir vertraut, daran würde ich erkennen, dass Du es bist.

Oder doch nicht?

Könnte jemand anderes dermaßen perfekt in in diese Hülle schlüpfen, die von Dir in Erinnerung geblieben ist? Ist es möglich, Dich selbst auf dieser einen, mir verbliebenen Ebene so zu ersetzen, dass ich sie für Dich halten werde?

Verunsicherung kämpft mit Gewissheit, die Grenzen verschwimmen, Fiktion umklammert Realität.

Ich weiß, dass es Dich gibt, im schlimmsten aller Fälle gegeben hat .. auch wenn die Erinnerung ein trickreicher Dämon sein mag, der unsere Vergangenheit bereits im ersten Moment in Frage zu stellen wagt, bis wir beginnen, an unserem eigenen Selbst zu zweifeln.

Wahrnehmung. Im digitalen Raum erst recht ein fragwürdiger Begriff.

Bin etwa ich selber derjenige, der seine Existenz in Frage stellen sollte? Habe ich bereits vor Monaten mein Selbst im binären Glaspalast verloren, lautlos in abertausende kleiner Stücke zersplittert, neu zu einer oder gar mehreren künstlichen Identitäten zusammengesetzt?

Wer war ich, bevor Du nicht mehr warst?
Wer bin ich nun, da Du nicht mehr bist?
Was bin ich geworden, nicht wissend, ob Du jemals wieder sein wirst?

Das einzig Reale ist eine klaffende Wunde in meinem Herzen, hervorgerufen durch etwas, das vielleicht gar nicht realen Ursprungs ist ..

Saturday, December 1, 2012

Phönix Aus Der Asche

Staubbedeckt aufgetaucht.

Die Augen brennen, als das Licht diffuse Teilchenwolken durchbricht.
Das Atmen fällt noch schwer, die heisse Luft umklammert die Brust.

Etwas ist anders als noch zuvor.

Das Verlangen nach selbstzerstörerischer Kompensation ist gewichen.
Das Herz schlägt wieder im gewohnten Takt.

Mitten im Nichts, das Alles ist.

Die Trümmer rundherum, sie schlagen nicht auf das Gemüt.
Die mitleidvollen Blicke drücken nicht zu Boden.

Unerklärlich wirkende Leichtigkeit.

Kein künstlicher Wille mehr, der alles nur noch schlimmer macht;
Kein Fluchtgeflecht, das einen in Dunkelheit umwebt.

Staubbedeckt aufgerichtet.

Das Ende einer schmerzvollen Odyssee, erfahrungsreich.
Der Neubeginn, besonnen, ruhig, unverklärt.

Noch lodern kleine Flammen auf,
Bestehend aus Vergangenem,
Doch fehlt es ihnen an der Kraft,
Die Glut des Reinigenden anzufachen.

Das Werk ist vollbracht,
Geschmolzener Stahl aus falschen Hoffnungen,
Die Festung aus Trotz und Eitelkeit,
Niedergebrannt bis auf die Grundmauern.

Freigegebene Sicht, die nicht Minderwertigkeit erzeugt.
Frei von implizierten Schuldgefühlen.

Staubbedeckt wiedergeboren.

Wednesday, November 28, 2012

Carpe Momentum

Unüberwindbar empfundene Mauern ins Wanken gebracht, Verwundbarkeit enthüllt, zugleich ein Feuer frisch entfacht.

Jener Augenblick, der Unendlichkeit in sich birgt, festzuhalten vergebens, seine Kraft und Schönheit einzig und allein im Loslassen offenbart.

Das Spiel, das doch keins ist, ernstzunehmen; sich fallen zu lassen, ohne zu stürzen.

Verbundenheit als Istzustand begreifen, dem im Hier und Jetzt nur man selbst in Wege steht, wenn Unsicherheit längst verheilte Narben einer vergangenen Zeit als imaginären Schutzschild vor sich herträgt.

Gemeinsamkeiten als Verbindungslinien einer miteinander verflochtenen Welt wahrzunehmen; die Grenzen althergebrachter Konventionen überschreiten, ohne sich selbst dabei zu verlieren.

Die Rufe des revoltierenden Herzens nicht zu unterdrücken.

Dem Selbst zu einem Bewusstsein zu verhelfen.

Die Träne, die über die Wange gleitet, als Botschaft der Seele, nach aussen gerichtet, lesen zu lernen.