Tuesday, December 4, 2012

Virtuelle Verzweiflung

Was kann ich noch tun?

Ich kenne ja nicht einmal Deinen richtigen Namen.

Ich weiss nicht einmal, wie Du aussiehst.

Würde ich Dich erkennen, wenn Du mir gegenüber stehst?

Oft haben wir uns im Chatroom getroffen, Deine Ausdrucksweise ist mir vertraut, daran würde ich erkennen, dass Du es bist.

Oder doch nicht?

Könnte jemand anderes dermaßen perfekt in in diese Hülle schlüpfen, die von Dir in Erinnerung geblieben ist? Ist es möglich, Dich selbst auf dieser einen, mir verbliebenen Ebene so zu ersetzen, dass ich sie für Dich halten werde?

Verunsicherung kämpft mit Gewissheit, die Grenzen verschwimmen, Fiktion umklammert Realität.

Ich weiß, dass es Dich gibt, im schlimmsten aller Fälle gegeben hat .. auch wenn die Erinnerung ein trickreicher Dämon sein mag, der unsere Vergangenheit bereits im ersten Moment in Frage zu stellen wagt, bis wir beginnen, an unserem eigenen Selbst zu zweifeln.

Wahrnehmung. Im digitalen Raum erst recht ein fragwürdiger Begriff.

Bin etwa ich selber derjenige, der seine Existenz in Frage stellen sollte? Habe ich bereits vor Monaten mein Selbst im binären Glaspalast verloren, lautlos in abertausende kleiner Stücke zersplittert, neu zu einer oder gar mehreren künstlichen Identitäten zusammengesetzt?

Wer war ich, bevor Du nicht mehr warst?
Wer bin ich nun, da Du nicht mehr bist?
Was bin ich geworden, nicht wissend, ob Du jemals wieder sein wirst?

Das einzig Reale ist eine klaffende Wunde in meinem Herzen, hervorgerufen durch etwas, das vielleicht gar nicht realen Ursprungs ist ..

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